Teleskop-Aufnahme vom Pferdekopfnebel © André Gatzke / fundus.media

Glaube & Leben

Was macht evangelischen Glauben aus? Glaube ist mehr als ein Wort. Er ist das Vertrauen auf eine höhere Macht, die Liebe und Halt gibt. Und oft eine Entdeckungsreise.

Leben in der Gnade


Das Leben ist ein Geschenk. Es ist das größte, das wir je empfangen haben. Dass wir hier sind – auf diesem winzig kleinen Planeten, irgendwo in den Weiten des Universums –, ist kein Verdienst, sondern Gnade. Unser Dasein ist ein Wunder. Jeder Atemzug, jeder Sonnenaufgang, jede Begegnung ist Teil dieses Geschenks. Es ist kostbar, weil es vergänglich ist, und es ist wertvoll, weil es uns anvertraut ist. Wir dürfen es gestalten – unsere Tage, unsere Wege, unser Miteinander.
 

Leben heißt aber auch, sich zu entscheiden. Wir können mit verkrampften Händen in Angst und Narzissmus zusammenraffen, was wir meinen zu brauchen. Wir können uns selbst Gefängnismauern bauen aus Erwartungen, Selbstoptimierung und der Suche nach Anerkennung. Wir können unser Leben als Wettkampf begreifen – als etwas, das wir aus eigener Kraft beweisen, rechtfertigen oder „erfolgreich“ machen müssen. Doch dieser Weg führt oft in Einsamkeit, Härte und innere Leere.

Leben in Freiheit

Oder wir führen unser Leben in Freiheit und Gelassenheit – getragen von der Zusage: Du bist gut so, wie du bist, du bist geliebt, gerade so wie du bist. Dein Wert hängt nicht an Leistung oder Erfolg, sondern allein daran, dass du da bist. Der Glaube lehrt uns diese Lebenshaltung. Sie befreit, schenkt Frieden und trägt eine leise Heiterkeit in unser Herz. Ein Leben in Glauben lernen, heißt ein Leben in Vertrauen lernen. Vertrauen darauf, dass Gott, der mich geschaffen hat, auch hält und trägt und in jeder Situation so viel Kraft geben wird, wie ich benötige. Natürlich bleiben wir dabei Fragment, sind nie vollkommen.

Wir brauchen kein Bild von Vollkommenheit, um geliebt zu sein. Mit unseren Stärken und Schwächen, Fragen und Zweifeln sind wir einfach, wer wir sind und empfangen das Leben – wie ein Geschenk, das wir mit offenen Händen weitergeben.

So kann in einem Leben Gelassenheit entstehen: das Leben nehmen, wie es kommt, ohne alles verstehen oder kontrollieren zu müssen – und dennoch getragen zu sein. Die Taufe ist das Symbol für dieses unverbrüchliche göttliche Liebe zu uns.

Biblische Texte:

19 Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo Motten und Rost sie fressen und wo Diebe einbrechen und stehlen. 20 Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo weder Motten noch Rost sie fressen und wo Diebe nicht einbrechen und stehlen. 21 Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz. 22 Das Auge ist das Licht des Leibes. Wenn dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein. 23 Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis sein! 24 Niemand kann zwei Herren dienen: Entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

25 Darum sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? 26 Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie? 27 Wer ist aber unter euch, der seiner Länge[4] eine Elle zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt? 28 Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. 29 Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. 30 Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: Sollte er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen? 31 Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? 32 Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft.

33 Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. 34 Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.

38 Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, 39 weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

© Peter Bongard / fundus.media