Grafik: Jennifer Stein

Kirchengemeinde Runzhausen

Unsere Kirchengemeinde "RuBelRa" wurde 1966 als Kirchengemeinde Runzhausen gegründet und besteht aus den drei Orten Runzhausen, Bellnhausen und Rachelshausen. Sie alle sind Ortsteile der Stadt Gladenbach im Landkreis Marburg-Biedenkopf (Hessen).


Kirchenvorstand

Der Kirchenvorstand besteht derzeit aus sieben Mitgliedern und wird von Kathrin Weber als Vorsitzende geleitet: Pfarrer Thomas Schmidt (stellv. Vorsitzender), Diethard Koch, Kristina Lang, Katharina Payer, Marion Wege und Wolfgang Wege.


Kirche Runzhausen

@Bernd Müller

Die Kirche zu Runzhausen wurde 1781 von Georg Blecher erbaut. Sie steht in der Mitte und gleichzeitig an einem der höchsten Punkte des "alten Dorfes". Seit ihrem Bestehen wurde sie mehrmals renoviert. Die Inschrift des Erbauers der Kirche ist in den Balken über der Eingangspforte eingehauen: 

„Durch Gottes Hilff und starke macht/ ist diese Kirch zustand gebracht/ lasset uns zusammen treten und zu gott dem höchsten beten/ komm gott schaffer heiliger geist. (Georg Blecher von Achenbach Werckmeister den 16. Mey anno 1781“)

Wo finde ich die Kirche?

Pfarrer Thomas Schmidt
@Hans Robert Koch

Seit über 200 Jahren betreten Menschen diese Kirche zu Gottesdienst, Andacht, Gebet und um Stille zu finden. Wir wissen dabei, dass diese Kirche nicht die erste Kirche Runzhausens ist. Sie hat mindestens eine Vorgängerin gehabt. Dies belegen die Amtakten im Staatsarchiv sowie eine Karte des Landvermessers und Kartographen Daniel Merian aus dem Jahre 1703, in der neben den Hausgesäßen eine Kirche eingezeichnet ist. In den Amtsakten (ein Nachtrag zum 1777 angelegten Brandregister aus dem Jahre 1781) lesen wir: „Anno 1781 die alte Kirche abgebrochen und neu erbaut, alter Wert 200 Gulden, neu 1000 Gulden". Das war damals eine ansehnliche Summe für ein kleines Dorf und es wird vermutet, dass sich die Bürger damit auch etwas übernommen hatten. So enthält die Schulgeschichte ein Schreiben des damaligen Runzhäuser Schulmeisters Wagner, der mit dem besser besoldeten Weidenhäuser Schulmeister tauschen will. Die Gemeinde Runzhausen könne ihren Lehrer nicht besser besolden, da die „alte Kirche abgerissen und neu aufgesetzt..." Für den Weidenhäuser Lehrer sei ein Tausch nach Runzhausen insofern von Vorteil, da er ja seine Frau aus Runzhausen habe und neben der Schulmeisterei dort auch noch der Landwirtschaft nachgehen könne. Der Tausch kam zustande, und der Weidenhäuser Lehrer gab dem Haus seiner Runzhäuser Schwiegereltern den Namen („Schulmestersch"). Der Standort der vor 1781 abgerissenen Kirche lässt sich heute nicht mehr ausmachen. Der Lehrer und Verfasser der Dorfchronik, Preis, erfuhr von den alten Leuten, die es ihrerseits von den Großeltern übernommen hatten, dass die Kirche „im Garten von Dairisch” (Untere Dorfstr. 6, Jörn) gestanden habe. Für diesen Standort spricht auch der Name "Ayll hinter der Kirchen". Vermutlich hat es sich bei diesem Bau ebenfalls um eine Fachwerkkirche gehandelt, die wohl wesentlich einfacher gebaut war als die neue Kirche und zudem total baufällig gewesen sein muss, wie wir aus dem Brandversicherungswert von 1777 schließen können. Nachdenklich stimmt noch eine Rubrik aus dem Gemeindehaushalt des Jahres 1779 oder 1782. „Für Reparaturen an der Kirche: 159 Gulden" (Der Schulmeister erhielt pro Jahr 31 Gulden). Sollte die Jahreszahl 1779 die Richtige sein — warum soviel Geld für eine alte Bruchbude? Stimmt 1782, was wohl näher liegt, was war faul an der neuen Kirche? Kurzum, nachdem die Runzhäuser ihre „alte Kirche abgebrochen und neu erbaut" hatten, pfiffen sie in finanzieller Hinsicht für die folgenden drei Jahrzehnte erstmal auf dem letzten Loch. Es kam noch schnell eine Kanzel in die Kirche - übrigens eine hervorragende, original-Hinterländer Intarsienarbeit aus der Zeit um 1780. Die Empore und Bänke erhielten einen Lasuranstrich und dann war Schluss. Ach ja, den Altar hätten wir fast vergessen. Warum es 1780 noch ein reiner Barockaltar sein musste, lässt sich am ehesten damit erklären, dass man zu der Zeit auf dem Lande noch nicht bereit war das in den Residenzen bereits ausklingende Rokoko schon mitzumachen.
  
Nach einer Pause von 3 Jahrzehnten wurde es dann wieder lebendig in der Kirche. Die Staffiermaler Georg Ernst Justus und Sohn Johann August Kaiser von Gladenbach hatten ihren Einzug gehalten. Ihnen verdanken wir die Frakturinschriften mit den herrlichen Pflanzenornamentiken an der Ost- und Westwand sowie an der Nordwand unterhalb der Empore. Gleichzeitig haben sie die Emporen und Bänke mit einem smalteblauen (auch schmalteblau, ein Nebenprodukt der Glasgewinnung) Anstrich versehen, der die Tonvorlage für den heutigen Anstrich abgab. Vater und Sohn Kaiser waren keine Unbekannten im damaligen hessisch-nassauischen Raum. Bevor sie nach Runzhausen kamen sind sie in Offdilln, Dillbrecht, Salzböden und Altkirchen nachgewiesen. Ihr Selbstbewusstsein entsprach der Qualität ihrer Arbeit und so hinterließen sie uns bis auf den heutigen Tag an der Ostwand, direkt hinter dem Altar ihr Autogramm in Form einer Inschrift:

„Zur Ehre Gottes ist diese Kirche, im Jahre 1781 neu erbauetworden, im Jahre 1812 von Grund aus Renovieret, Bey den damaligen Herrn Oberpfarrer N: Hüffel, zweiter Pfarrer Herr N: Kolb, Schulteis Andreas Koch, Kirchenältester Jost Koch, Kirchenältester Johann Georg Wagner zugleich Vorsteher, Johann Henrich Vorsteher Joh: Peter Koch, Borgemeister
Fertig am 21. Juli, Maler und Weißbinder Georg Ernst Justus Kaiser, und dessen Sohn Johann August Kaiser von Gladenbach".

Runzhausen muss damals fest in den Händen des „Koch-Clans" gewesen sein. Schultheis Andreas Koch: „Däirisch", Kirchenältester Jost Koch: „Äich", Kirchenältester Johann Georg Wagner: „Berg" Vorsteher Johann Henrich: entweder Johann Hemrich („Dingeses') oder Johann Heinrich Wagner oder auch ein Johann Heinrich Koch. Joh: Peter Koch: vermutlich „Weils". Die damaligen Gladenbacher Pfarrer waren 1. Johann Jost Ludwig Hüffel (1808 - 1817) und Johann Heinrich Kolb (1810 - 1818, 2. Pfr.) Das Werk von Vater und Sohn Kaiser hatte in unserer Kirche über 100 Jahre Bestand, ehe es 1920 im Zuge der Elektrifizierung und „Schornsteinisierung" unserer Kirche restlos übertüncht und teilweise auch zerstört wurde. Die Vorarbeiten zu einer weiteren Neuanmalung im Jahre 1950 förderten den Spruch hinter dem Altar noch einmal zutage und Lehrer Preis nutzte die letzte Gelegenheit, den Wortlaut für uns festzuhalten, ehe die linke Hälfte desselben durch Neuverputzung restlos zerstört wurde. Von dieser Zeit bis zu der gelungenen Sanierung 1983 war ein Interesse an einer Gestaltung der alten Kirche nicht vorhanden. Das braucht den Runzhäusern jedoch niemand vorzuwerfen, es entsprach schließlich dem Geist der Zeit störendes alte Gemäuer erst dem Verfall preiszugeben und später einzuebnen.

 

Nach der Sanierung von 1983

„Sieht man vom Markt in die Kirche hinein, da ist alles dunkel und düster, und so sieht's auch der Herr Philister"

So heißt es in einem Gedicht von J.W. Goethe. Nun, man musste bis vor einem Jahr kein Philister sein, um bei einem Blick durch die Kirchentüre ins Innere, Dunkelheit, Düsternis, Staub und Verfall einer alten Dorfkirche erkennen zu können. Feuchtigkeit ließ den Putz abbröckeln, Emporen und Bänke dösten grau in grau, Scheiben fehlten, der Altar hingepfropft wie ein überdimensionaler Blumenhocker mit einer mottenzerfressenen Decke obendrauf. Rechts davon rostete ein alter Ofen und davor das staubgepuderte alte Harmonium, die Intarsienkanzel erstickte unter einer Firniskruste, der Rest grau-gelb getüncht. „Da haben die Amis '45 vergessen mit 'nem Panzer gegenzufahren, dann wär'n wir das alte Werk heut' los", soll ein alter Runzhäuser dazu gesagt haben. Nun, das "alte Werk" ist inzwischen eine der schönsten Fachwerk-Dorfkirchen Hessens und seit dem 3. Advent 1983 erneut der Mittelpunkt des Gemeindelebens einer prosperierenden Gemeinde. Anfängliche Skepsis und Verständnislosigkeit ist längst berechtigtem Stolz und der Freude gewichen, „zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn", wie eine der vielen während der Sanierung freigelegten Wandinschriften besagt. Unter der Führung des Architekten Franz und dank des Engagements des Restaurators Gramberg vollzog sich in wenigen Monaten die Wandlung Aschenputtels. Zunächst wurde die Eingangstreppe nebst den straßen-und eingangsseitigen Grundmauern saniert, wobei das straßenseitige Mauerwerk aus Feldstein bewahrt werden konnte. Zur westlichen Eingangsseite hin ersetzte man den alten Sockel durch stabiles Mauerwerk aus Diabas. Auf diese Grundmauern fügen sich harmonisch der verschieferte Westgiebel und das rotbraune Fachwerk zur Straße hin. Im Kircheninnern hatte die dreiseitige Empore auf stabilen sechskantigen Eichenpfosten mit verstärkter viereckiger Basis ruhend die Zeitläufe fast unbeschädigt überstanden, dagegen waren die alten, einfach geschreinerten Bänke mit senkrechter Rückenlehne und kurzem Sitzbrett für normalbeleibte Kirchenbesucher nicht mehr „besitzbar" und mussten durch körpergerechtere Stücke ersetzt werden. Dabei konnten noch 4 Seitenteile (Wangen) der alten Bänke mit ihrer schlichten Form (zum oberen Abschluß zweifach gegenläufig gekehlt) wiederverwendet werden (je die beiden ersten neben der Eingangstür). Die übrigen Wangen wurden nachgebaut. Die Empore wurde nord- und südseitig mit Bänken versehen, die auf einer erhöhten Basis ruhen, sodass aus der ursprünglichen reinen Stehempore eine Sitzempore geworden ist. Emporenbrüstung, Pfosten und Bänke sind nunmehr in verschiedenen Blautönen, dem ursprünglichen Befund gemäß, angemalt. Die je drei Fenster der Nord- und Südwand oberhalb der Empore wurden analog der alten Fenster an der Nordwand nachgebaut. Sie sind insgesamt mit Bleiverglasung in Wabenform versehen. Reste der alten Sechskantverglasung wurden soweit möglich wiederverwandt. Ein kleines Fenster an der Westwand wurde zum Schutze der dahinter befindlichen Orgel geschlossen, das in der Mitte der Ostwand befindliche Chorfenster gestaltete Erhardt Jakobus Klonk zu dem Thema „Heiliger Geist — Pfingsten". „Das weiße Glas zeigt den Strom der Gnade, die in das darunter stehende dunkelbraune Gefäß fällt und es zum überlaufen bringt, weil es mehr ist, als der Mensch fassen kann. Ein quadratischer roter Fleck — rot ist die Farbe der Liebe — im Mittelpunkt des Überlaufens steht für die Kraft, Wärme und Liebe weiterzugeben. Umrahmt wird das Motiv von einem Goldgrund, der als das Symbol der Göttlichkeit gilt", erklärte Klonk den Runzhäusern. „Der stilisierte Vogel in der Mitte des weißen Stromes in der oberen Bildhälfte weist auf die Taube des Noah hin, weniger ist dabei an den Raben des Noah gedacht, der auf Nimmerwiedersehen verschwand," erläuterte Pfarrer Peter Voß im Anschluß an den Künstler. Die im vorigen Jahrhundert angebrachte Fensterlaibung aus Holz wurde am Chorfenster entfernt, sodass die ursprüngliche Farbgestaltung des Putzes in rotbraun mit türkisem Kantstreifen wieder sichtbar ist. Getreu dem Kirchenbaugrundsatz, alte und funktionsfähige Teile bei Neubauten wiederzuverwenden, ruht die restaurierte Intarsienkanzel auf einer barocken, ehemaligen Emporensäule aus der evanglischen Kirche in Ewersbach. Die aus dem frühen 17. Jh. stammende Säule ist ein Geschenk des Architekten an die Gemeinde.

Schleierbretter mit Lilienornamenten unterhalb der Kanzel bilden einen harmonischen Übergang von der gedrehten Säule zu der im Prinzip achteckigen Kanzel. Die Kanzeltreppe führt nicht mehr, einer Hühnerleiter ähnlich, direkt aus der Sakristei heraus, sondern wendelt sich im rechten Winkel von der Sakristeitür ausgehend zum Kanzelpodium hinauf. Die gegenüber dem alten Zustand ca 70 cm erhöhte Kanzel bildet nunmehr mit dem Sandsteinaltar ein harmonisches Ensemble - zumal die 4 Baluster, die die Altarplatte tragen, ein Stück nach innen gerückt sind und der Altar insgesamt etwa 50 cm in den Kirchenraum hineinbewegt worden ist. Für fast täglich neue Überraschungen sorgte der Restaurator Gramberg bei seinem Bemühen, verschiedene Blumenmalereien mit biblischen Inschriften freizulegen und zu konservieren. Er beschreibt diese alten Arbeiten:
 
„Das Gestaltungskonzept des Malers wurde von Bibelsprüchen getragen. Die durch Längung der Buchstaben entstandene Strenge der Frakturschrift wurde durch unter die Sprüche gelegte Ornamente aufgelockert. Die Ornamentik ist noch der Rokokozeit verbunden; ein Muschelwerk in goldgelb wird in Rosen, Nelken und Tulpen aufgelöst. Die Malerei ist von feiner Zeichnung und wird von kräftigen Rottönen beherrscht". Insgesamt wurden 6 biblische Inschriften mit floralen Umrahmungen freigelegt, dazu noch eine Handwerkerinschrift mit Nennung der Honoratioren Runzhausens aus der Entstehungszeit aller Malereien, 1812. Mit Sicherheit gehört die Wiederentdeckung und Bewahrung der Wandmalereien zu den Höhepunkten der Sanierung unserer alten Dorfkirche.

 

Die Glocke aus dem Mittelalter

„Ist das nun der Gemüsemann oder der Eisenhändler?"— so fragte sich der neue Runzhäuser Pfarrer, als er zum erstenmal die Glocke seiner Gemeinde hörte: Ein gleichbleibend helles, dünnes Bimmeln aus der Gegend um die Kirche kurz vor Beginn des Gottesdienstes, der im Jahre 1982 noch im Gemeindesaal stattfand. Die Runzhäuser wussten es besser, es war die Kirchenglocke, seit 1781 per Hanfseil geläutet, derzeit von Küster Bruder. Das Alter der Glocke wusste niemand zu nennen, es war nur ein „leises Ding" und „wenn der Wind falsch steht, dann hört man's nicht mal bis zum Kleeberg" Die Gemeinde wäre ihr „leises Ding" am liebsten gegen eine kräftige neue Glocke oder noch besser zwei Glokken losgeworden. Da der Guss einer zweiten Glocke in der Tat zweckmäßig ist, erfolgte eine Untersuchung des Glockenturmes sowie der alten Glocke durch Sachverständige einer Glockengießerei. Die Überraschung der Experten war groß: „Es handelt sich um eine gut erhaltene Bronzeglocke von 1400 mit einem unteren Durchmesser von 420 mm, einer flachen Haube, oben enger im Durchmesser, leicht konische gerade Flanken und einem breit ausladenden Rand. Sie besitzt zwei fast gleich starke und gleich langanhaltende Untertöne („d” und „fis"), die ihr einen ausgeprägten Durterz-Charakter verleihen". Die alte Runzhäuser Glocke ist zugleich eine der ersten mittelalterlichen Glocken mit einer gotischen Minuskelinschrift, die die Entstehungszeit und Widmung angibt (MCCCC - 1400, JHS -Jesus). Der heute als zu dünn und leise empfundene Klang stellt das Nonplusultra der Glockentonkunst vor nahezu 600 Jahren dar. Möglicherweise mahnt und ermuntert die uralte Glocke schon seit dieser Zeit Menschen in Runzhausen und ordnet die Zeit. Ältere Einwohner erinnern sich noch sehr gut an die auf dem Kirchenspeicher befindlicheTurmuhr, deren Hammer zu jeder vollen Stunde auf die Glocke anschlug. Vermittels eines Schlaghammers, gegen den die in den Jochlagern bewegte Glocke während des Läutens anschlug, wurde bereits im Mittelalter unsere Glocke geläutet - der eingehängte Läuteklöppel kam später auf. Auch nach der Stilllegung der Turmuhr wussten die Runzhäuser bis vor kurzem noch beide Techniken miteinander zu kombinieren! Der Eisenhammer ist inzwischen, da er trotz Lautverstärkung die Glocke schädigte, ein Stück weit entfernt. Das Glockenläuten ordnete noch bis in die 30er Jahre das tägliche Leben in unserem Dorfe. Je nach Jahreszeit fand das Früh- oder Wachläuten um 5 oder 6 Uhr statt. Um 11 Uhr erinnerte die Glocke daran, dass die Mittagszeit nahte und um 12 Uhr wurde zum Essen geläutet. Im Anschluss an das Essengeläute wurden außerdem noch die Backhauslose gezogen und nach dem Feierabendläuten hatten die Kinder auf dem Hofe der Eltern zu sein. Durch Glockenläuten wurden Todesfälle vermeldet und erhielten die Verstorbenen das letzte Geleit zum Friedhofe. Selbstverständlich wurde auch das Neue Jahr eingeläutet, und im Falle von Feuersbrünsten und Katastrophen warnte und rief die Glocke die Dorfgemeinschaft zur Hilfe. Zur Zeit wird die Glocke außer zu allen Gottesdiensten sowie während des Vaterunsers im Gottesdienst noch als Sterbeglocke an dem auf den Tod folgenden Vormittag zwischen 8:00 und 9:00 Uhr und vor Beerdigungen geläutet. Das Läuten der Tageszeiten als Mittags- und Abendläuten wird ebenfalls noch von der Glocke übernommen.

 

Von Eigenfriedhof und Grabmachen - Die alten Friedhöfe um die Kirche

In der Sakristei unserer Kirche befindet sich das Bruchstück eines alten Grabsteines, der die folgenden Worte freigibt: „Hier Ruhet der Ehrsame und bescheidene werner frey gewessener Einwohner zu Ronßhausen Anno 1667 den 26. M ..." (dann bricht die Schrift ab). Dieser Stein, der im Herbst 1983 bei der Sanierung der Kirche unter verrottetem Gemäuer entdeckt wurde, ist der kompakteste Beweis dafür, dass das Dorf Runzhausen bereits im 17. Jahrh. einen eigenen Friedhof, einen sog. „Eigenfriedhof" besessen hat. Wer war dieser Werner Frey? Aus den Akten des Staatsarchivs ergibt sich, dass im Jahre 1570 Philipp Frey einen Lehnshof der Martinskirche bewirtschaftete („Flips"). Unter seinem Nachfahren Virgilius Frey wurde dieses Kirchenlehen in den Jahren zwischen 1622 und 1634 (vermutl. aber kurz nach 1622) unter die Söhne Hans („Hans") und Werner (✝1667) aufgeteilt („Flips"). In ihrem Kern blieben diese beiden Höfe trotz weiterer Teilung bis auf den heutigen Tag erhalten und die Nachfahren des Hans und Werner Frey leben mitten unter uns. Es spricht für den praktischen Sinn der „Ronßhäuser", wie der damaligen Geschlechter überhaupt, dass sie einen schon alten, aber akkurat behauenen Stein unter die Grundsteine ihrer Kirche reihten. Wir dürfen annehmen, dass der Grabstein des Werner Frey von dem ersten Runzhäuser Friedhof stammt, der, wie Knochenfunde in der Vergangenheit immer wieder belegten, direkt unterhalb der alten Kirche angelegt war („Nauhaus"). Die Anlage dieses ersten Friedhofes in unserem Dorfe hängt mit Sicherheit mit der Bevölkerungsentwicklung der letzten 500 Jahre zusammen. Die Einwohnerzahl (damals: Zahl der „Hausgesäße” mal 6) galt nämlich als Richtschnur für die Errichtung eines Eigenfriedhofes in einem Kirchspieldorfe. Da Runzhausen im Verlaufe seiner Geschichte zweimal — erstmals um 1570, ein zweites Mal um 1730 — seine Bevölkerung mehr als verdoppelt hat, dürfen wir in Verbindung mit dem vorgefundenen Grabstein davon ausgehen, dass unser Dorf seine Toten seit ca. 1570 auf einem eigenen Friedhof beerdigt hat. Gleiches ist in ähnlicher Weise für Römershausen und für Weidenhausen belegt. Alle übrigen Dörfer des Kirchspieles Gladenbach hatten ihre Toten bis zum Jahre 1810 in Gladenbach zu beerdigen. Dass ein Eigenkirchhof in einem großen Dorfe für das brüderliche Miteinander der beiden Gladenbacher Pfarrer nicht immer unproblematisch war, lässt sich im Salbuch (= Vorläufer des heutigen Grundbuches) des Diakons Conrad Starck aus dem Jahre 1733 nachlesen. Dem ersten Pfarrer, der gleichzeitig Pfründeninhaber war, standen damals die Einkünfte aus der gesamten Pfarrei zu, wogegen der 2. Pfarrer (Diakon) die Dörfer zu versorgen hatte und aus den Einkünften für seine dortigen Amtshandlungen seinen Lebensunterhalt versehen musste. Wahrscheinlich beanspruchte der erste Pfarrer sämtliche Beerdigungsgebühren im Kirchspiel ohne Rücksicht auf Eigenfriedhöfe für sich, und Conrad Starck, der ja schließlich die Arbeit hatte, besaß genug Courage, dem entgegenzutreten. So schreibt er im Salbuche von 1733, er habe sich „mit dem Gladenbacher Pfarrer Monats Marti wegen der Einnahmen bezüglich der Erbkirchhöfe zu Weidenhausen, Römershausen und Runzhausen verglichen". Wahrscheinlich handelt es sich bei dem von Conrad Starck erwähnten Erbkirchhof zu Runzhausen bereits um jenen ersten Friedhof. Auf den Grundstücken von Nauhaus/Roths hat man nämlich bei Ausschachtungsarbeiten im Jahre 1939 Überreste von Toten gefunden. Ein zweiter Friedhof wurde nach 1781 unterhalb der heutigen Kirche (Neckels Garten) angelegt. Die Errichtung eines dritten Friedhofes ca. 50 m östlich der Kirche erfolgte dann im Jahre 1813/ 14 („Scheks"). Es war bis in das vorige Jahrhundert auf dem Lande geltender Grundsatz, die Toten um die Kirche herum oder zumindest möglichst nahe bei der Kirche zu begraben. Diese Sitte hat sich bis in unsere Zeit noch in der Bezeichnung „Kirchhof” für Friedhof erhalten.

Verfasst von Pfr. Peter Voß


Gottesdienstraum DGH Bellnhausen

@Bernd Müller

Die Kirche in Bellnhausen steht mitten im Dorf, wird aber nicht gottesdienstlich genutzt. Die Gottesdienste finden dafür in einem Raum des Bürgerhauses, der früheren Schule, statt. Im Jahre 1908 wurde das Bellnhäuser Kirchlein von dem Kirchenbaumeister Hofmann begutachtet: Trotz der bescheidenen Abmessungen (ca. 4,00 x 6,00 m) ist die Kapelle ihrer Lage und der originellen Dachreiteranordnung wegen beachtenswert. Durch eine allgemeine „gründliche" Herstellung im Jahre 1903 hat das Gebäude seinen malerischen Reiz und sein historisches Gepräge fast gänzlich eingebüßt.

Wo finde ich den Gottesdienstraum?

DGH Bellnhausen
Pfarrer Thomas Schmidt
@Hans Robert Koch

Die alten Fenster mit den Bleiverglasungen wurden beseitigt, die Öffnungen vergrößert und mit kahlen Sprossenfenstern versehen. Die alte Eingangstür erhielt einen Besatz in Form einer modernen Stubentür. Der Fußboden des Innenraumes wurde mit wenig schönem Zementpflaster belegt und das Holzwerk geschmacklos gestrichen. Leider ist auch das Holzwerk der Außenwände mit einem Kalkverputz überzogen worden. Den bei der Besichtigung mit anwesenden Gemeindegliedern (sic!) erklärt der Kirchenbaumeister wie diese Kapellenherstellung hätte erfolgen müssen, um weniger kostspielig zu sein und wie der historische Charakter des Gebäudes besser hätte gewahrt werden können."
 
Auch damals also dachte man „modern" und hielt die „Herstellung" der Kirche wie oben beschrieben wohl für eine famose Idee. Aber die Zeiten ändern sich; die damalige Verschlimmbesserung ist heute denkmalschutzwürdig. Sie war somit auf dem neuesten Stand, die alte Kirche, aber ohne Heizung und ohne Orgel bzw. Harmonium. Die kleine Glocke wurde per Hand geläutet. In dem oben beschriebenen Zustand blieb sie auch zunächst; im Jahre 1951 wurde bei einer erneuten Besichtigung durch den Vertreter des Landeskonservators der Einbau einer Fußbodenheizung angeregt, der allerdings nicht zustande kam.

Das äußerliche Erscheinungsbild des Kirchleins wurde mit der Zeit immer trauriger, mit ihm auch der bauliche Zustand. Es wurde mir zugetragen, dass ab Mitte der fünfziger Jahre das Glockenseil verlängert werden musste, damit man die Glocke von außen bedienen konnte: durch die Schwingungen lösten sich immer wieder Putzteile von der Decke und fielen herunter, was für den Küster nicht ungefährlich war. Alles das war bestimmt nicht gewollt, aber die Bellnhäuser Gemeinde war finanziell nie in der Lage, größere bauliche Maßnahmen durchzuführen.
Gegen Ende der fünfziger Jahre reifte angesichts des sehr baufälligen Zustandes der Kirche im Gladenbacher Kirchenvorstand und in der Bellnhäuser Bevölkerung der Entschluss, eine neue Kirche zu bauen und die alte abzureißen.

Viele Pläne wurden diskutiert, darunter sogar die Idee, zwischen Bellnhausen und Runzhausen eine neue Kirche für Belln- Runz-, Rachels- und Sinkershausen zusammen zu bauen, nebst einem Pfarrhaus direkt daneben, wie einem undatierten Zeitungsbericht zu entnehmen ist. Dieser Plan wurde jedoch nicht in die Tat umgesetzt, genausowenig wie das Vorhaben, neben dem Bellnhäuser Friedhof eine Kapelle zu bauen. Dafür waren im Jahre 1961 in Bellnhausen immerhin 8750.- DM (!) Spenden gezeichnet worden. Es lag auch ein Beschluss des Gladenbacher Kirchenvorstandes vor, der jedoch aus verschiedenen Gründen nicht mehr zur Ausführung kam, bis es Mitte der sechziger Jahre nicht mehr möglich war. So blieb es bei dem alten Zustand: die Gottesdienste wurden in der Schule gefeiert, die alte Kirche verfiel.
 
Nach einer Notiz von Pfr. Gensch, des ersten Runzhäuser Pfarrers, der von 1961 bis 1966 amtierte, wurden die Sonntagsgottesdienste bereits seit 1955 in der Schule gefeiert. Damals war übrigens nur alle vier Wochen „Kirche", weil Bellnhausen noch mit vielen anderen Dörfern zur Gladenbacher Pfarrei 1 gehörte. Erst 1961 wurde für Runz- Rachels- und Bellnhausen eine Pfarrvikarsstelle geschaffen, die 1970 zur Pfarrstelle erhoben wurde. Die Kirchengemeinde Runzhausen, zu der Bellnhausen nun gehört, wurde 1966 offiziell aus der Kirchengemeinde Gladenbach ausgegliedert.

Bis 1965 fanden die Kirchenvorstandssitzungen noch in Gladenbach statt. Mit der Entstehung der Kirchengemeinde Runzhausen legte jedenfalls Bellnhausen als eines von drei anstatt von über 10 Dörfern an Gewicht zu. Von da ab beginnt das Gemeindeleben in den drei Dörfern sich zu entwickeln und zu blühen und auch die baulichen Aktivitäten gewinnen an Zielstrebigkeit.

Ende der sechziger Jahre zeichnete sich die Schließung der Bellnhäuser Schule und der Umbau zum Dorfgemeinschaftshaus ab. In dieser Situation gab die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau 44000.- DM zum Umbau dazu und die Bellnhäuser Gemeinde erhielt endlich ein festes Domizil, den gottesdienstlichen Raum im Bürgerhaus, wie er auch heute noch genutzt wird. Ein entsprechender Vetrag trat am 1.1.1972 in Kraft.
1975 wurden die Baulichkeiten durch einen Glockenturm komplettiert, zu dem die Kirchengemeinde Runzhausen 5000.- DM dazugab. Er gehört der Stadt Gladenbach als Rechtsnachfolgerin der Gemeinde Bellnhausen und ist der Kirchengemeinde in Pacht zu eigen.

Für die alte Kirche sah es immer düsterer aus, einem undatierten Zeitungsbericht aus den siebziger Jahren war zu entnehmen, dass bei einer Bürgerversammlung eine „überwiegende Mehrheit" für den Abriss war. Die Renovierung lohne sich nicht und einer wies darauf hin, die Kirche habe überhaupt keinen historischen Wert.

Das Kirchlein wurde schließlich doch noch vor Verfall und Abriss gerettet. Der Förderkreis Alte Kirchen nahm es 1979 in Eigentum und Obhut und renovierte es zunächst soweit, dass es wieder anschaubar war. Die Wiederherstellung des „Innenlebens" ist der nächste Schritt, denn es soll auch wieder seiner ursprünglichen Nutzung zugeführt werden, wie es im etwas trockenen Amtsdeutsch heißt. Das heißt: es soll wieder Mittelpunkt der Kirchengemeinde in Bellnhausen werden, der Ort, wo Gottes Wort Menschen erreichen will. Bis dahin ist noch viel Arbeit nötig, wenn auch in Verhandlungen zwischen Kirchengemeinde, Förderkreis und Denkmalschutz schon große Fortschritte erzielt worden sind.

Ins direkte Eigentum der Kirchengemeinde wird sie nicht übergehen, aber sie soll wieder „unsere Kirche im Dorf" sein und sie könnte durchaus ein echtes Schmuckstück werden. Unsere Notizen zur neueren Kirchengeschichte sind nun fast am Ende.

Sie sind natürlich nicht vollständig. Es bleibt jedem und jeder selbst überlassen, sich auf das eine oder andere einen Reim zu machen. Wir sehen, dass sich Kirchengeschichte nicht im luftleeren Raum abspielt, sondern dass sie immer teilnimmt an Wohl und Wehe der ganzen Gemeinschaft, Ideen hineingibt und auch manches übernimmt.
Das Wichtigste sind jedoch nicht die Baulichkeiten, die in Bellnhausen zugegebenermaßen eine besonders verwickelte Geschichte haben. Das Wichtigste ist die Gemeinde selbst, die Menschen, die glauben und handeln und feiern in Gottes Namen. Sie tragen das Evangelium durch die Zeiten. Ohne sie wäre Kirchengeschichte nur die Geschichte von Steinen.
 


Kirche Rachelshausen

@Bernd Müller

Die Rachelshäuser Kirche wurde 1626/1627 erbaut und zeigt eine für das hessische Hinterland ungewöhnlichen Bauweise. Sie wurde zuletzt 1998 renoviert. Diese kleine Kapelle ist nicht nur ausnehmend schön, sondern sie ist darüber hinaus in verschiedenen Hinsichten eine ausgesprochene kunstgeschichtliche Besonderheit. So ist das Fachwerk dieser Kirche in der ganzen Gegend einzig in seiner Art.

Wo finde ich die Kirche?

Pfarrer Thomas Schmidt
@Hans Robert Koch

Während man bei anderen Kirchen, z.B. Frohnhausen und Runzhausen, ,Verwandtschaftsbeziehungen' feststellen kann, was das Aussehen und die handwerkliche Verarbeitung betrifft, steht die Rachelshäuser Kirche ganz eigen und unverwechselbar da. Mit ihren reichen und in handwerklicher Meisterschaft ausgeführten Verzierungen stellt sie eines der schönsten Beispiele für die Fachwerkkapellen des Barock in ganz Hessen dar. Und für die engere Umgebung wird im Bildband Fachwerkkirchen in Hessen"¹ mit Recht festgestellt: „In dieser Art steht der Bau von 1680 völlig vereinzelt in der Kirchenlandschaft des Marburger Hinterlandes."²

Jedoch nicht nur was das Äußere betrifft ist die Rachelshäuser Kirche ungewöhnlich, auch für den Innenraum ist noch eine kleine Besonderheit zu erwähnen: Gewöhnlich wurden die Emporen der Fachwerkkirchen nur jeweils seitlich vom Altar oder aber gegenüber dem Altar gebaut. Anders in Rachelshausen, hier läuft die Empore auf allen vier Seiten rund um den gesamten Kirchenraum.

Wie es dazu kam, dass gerade die Rachelshäuser, deren Spitzname im Gladenbacher Land „die Lumpeleute"³ war, was ja sicherlich auf die Armut der Rachelshäuser anspielte, eine so wunderschöne und sicher auch teure Kirche erhielten, wird sich wohl nicht mehr klären lassen. Ebenso wird es nicht mehr zu klären sein, warum gerade diese Kirche im fränkischen Stil⁴ erbaut wurde. Wie dem auch sei, die Kirche ist etwas Besonderes — und die Rachelshäuser wussten das wohl auch.
Jedenfalls gab es immer Bürger, die sich für die Kirche eingesetzt haben, und denen wir es heute zu verdanken haben, dass dieses Gebäude jetzt so schmuck und gepflegt dasteht. Denn während in den dreißiger Jahren in so manchem Dorf die Fachwerkkirche langsam und weitgehend unbeachtet verfiel, machte man sich in Rachelshausen daran, die arg heruntergekommene Kirche wieder aufzubauen. Und während man in den sechziger Jahren, In denen man so gerne alles Alte abreißen und dann alles neu machen wollte, andernorts darüber beriet, ob man die alte Dorfkirche nicht zur Schaffung von Parkplätzen abreißen sollte, machte man sich in Rachelshausen ohne viele Worte daran, die gute alte Kirche zu renovieren.

Allein dieser Sachverhalt macht deutlich, dass die Rachelshäuser eine ganz besondere Beziehung zu ihrer Kirche haben. So war es denn auch naheliegend, dass man zuerst an die Kirche dachte, als es darum ging, ein Wappen für die Gemeinde Rachelshausen zu entwerfen. Und tatsächlich wurde nach langen Überlegungen und Beratungen für das Wappen eine der Figuren aus dem Fachwerk der Kirche verwendet. In exaktem Amtsdeutsch wird das Wappen, das 1962 genehmigt wurde, folgendermaßen beschrieben: „In Weiß ein geschwungenes rotes Fachwerkschrägkreuz, dessen vier Zwickel mit je vier Herzfiguren besetzt sind."⁵ Die Rachelshäuser erhielten so ein Wappen, dass,,... eine originelle, ganz auf die Gemeinde zugeschnittene heraldisch eigenständige Lösung [darstellt] ..."⁶ , wie anerkennend hervorgehoben wurde.

Was war vor der Kirche?

Obwohl die heutige Kirche eigentlich ein ganz stolzes Alter hat, beginnt nicht erst mit ihr die Geschichte der Sakralgebäude in Rachelshausen. Alte Karten des Ortes weisen uns darauf hin, dass vor der jetzigen Kirche bereits eine Kapelle in Rachelshausen gestanden hat und zwar auf dem heutigen Grundstück Klingelhöfer in der Nähe des Wiegehäuschens. Der Hausname „Kirche" bewahrt diese Erinnerung. Allerdings ist über diese alte Kapelle nichts Näheres in Erfahrung zu bringen. Weder ist bekannt, warum diese Kapelle abgerissen wurde, noch ist bekannt, wie sie ausgesehen hat. Man darf vielleicht vermuten, dass die Kapelle auch bereits ein Holzbau war, denn hätte es sich um einen Steinbau gehandelt, so wären diese Steine sicher anderweitig wieder als Baumaterial verwendet worden.
 
Die einzigen Mitteilungen, die wir über die erste Rachelshäuser Kapelle haben, sind indirekter Art. In dem Sal-Buch des Johann Conrad Stark, Diakon zu Gladenbach, aus dem Jahre 1737 kommt dieser auch auf die Rachelshäuser Kapelle zu sprechen. In diesem Buch, in dem Rechte und Pflichten des Diakons aufgelistet sind, lesen wir im § IV unter der markig-barocken Überschrift "Von Leichen" einiges über die Begräbnissitten im Bereich der Gladenbacher Martinskirche. Die Toten wurden damals nicht an ihrem Heimatort beerdigt, sondern mussten nach Gladenbach gebracht werden, dort wurden sie auf dem Kirchhof der Martinskirche begraben. Diese Regelung galt übrigens bis zum Jahr 1810, erst dann wurden für die einzelnen Gemeinden Friedhöfe eingerichtet. Diese Verpflichtung galt auch für die Rachelshäuser. Auch sie mussten ihre Toten auf dem „Totenweg", dem alten Gladenbacher Weg, zum Kirchhof der Gladenbacher Kirche bringen. Allerdings hatten die Vorfahren — mit anderen — ein bestimmtes Privileg, von dem Johann Conrad Stark schreibt: „Die Toten von Mornsshausen jung und alt werden alle miteinander nach Gladenbach auf den Gottesacker gebracht ingleichen von Ammenhausen und Kehlnbach.... Haben folgende Dorfschaften, Erdhausen, Rachelshausen, Bellnhausen, Sinkershausen, Frohnhausen, Friebertshausen und Rüchenbach ihre Kirchhöfe, aber nur allein für die kleinen Kinder."

Nach dieser Beschreibung des Privilegs einiger Gemeinden, die verstorbenen Kinder auf dem Kirchhof zu beerdigen, kommt J. C. Stark auf die Zustände aus der früheren Zeit zu sprechen: „Vor diesem [sc. dieser Regelung] wurden die kleinen Kinder in die Kapellen begraben; dieses wurde nachgehends zum Mißbrauch, daß auch die Pfarrer Kinder von einem Jahr ja endlich gar die Schüler, ohn sie confirmiret worden dahin begruben ... ". So wurde angeordnet, „ ... bey jeder Capelle einen Kirchhof zum Begräbnis der kleinen Kinder [zu] machen, damit die Capellen keinen Schaden nehmen möchten." Außerdem wurde festgelegt...... daß die kleinen Kinder biss in das fünfte Jahr inclusive, auf.. . Kirchhöfe sollten begraben werden, diejenigen Kinder aber, welche das fünfte Jahr zurückgeleget, nach Gladenbach auf den Kirchhof gebracht werden solten."⁷

Wenn man bedenkt, wie hoch in dieser Zeit die Kindersterblichkeit war, wie wenige Kinder wirklich das Erwachsenenalter erreichten, so wird zweierlei ganz deutlich: Erstens, dass es ein wichtiges Zugeständnis Gladenbachs war, wenn die Rachelshäuser das Recht hatten, verstorbene Kinder bei der eigenen Kapelle zu begraben. Zweitens, dass es unbedingt nötig war, eindeutig zu regeln, bis zu welchem Alter man von ,Kindern' sprach und wo die Beerdigungen vorzunehmen waren.

Wollen wir diese interessanten Informationen des J. C. Stark auswerten für die Frage nach dem Kirchenneubau, so kann vielleicht geschlossen werden, dass im Zusammenhang der von Stark erwähnten neuen Beerdigungsregelungen die alte Kapelle abgerissen wurde und eine neue an anderer Stelle errichtet wurde. Dies wird als Grund für einen Kirchenneubau umso wahrscheinlicher, als für den gesamten Zeitraum des dreißigjährigen Krieges für Rachelshausen keine Zerstörungen oder Kriegshandlungen bekannt sind, denen die alte Kapelle hätte zum Opfer fallen können. Wenden wir uns nun aber von der ,grauen Vorzeit' und den Vermutungen über diese Zelt wieder der klareren und besser belegten Geschichte unserer heutigen Kirche zu.

Die drei großen Renovierungsphasen

Lange bevor es Mode wurde, sich für Fachwerk und insbesondere für Fachwerkkirchen zu interessieren, lange bevor es Mode wurde, diese Fachwerkkirchen in ,Museumsdörfer' zu verschleppen, lange bevor es Mode wurde, alte Kirchen wie mumifizierte Museumsstücke zu behandeln, die eigentlich nicht mehr in unsere Zeit gehören, lange bevor all das geschah, nämlich Anfang der vierziger Jahre, machten sich die Rachelshäuser daran, ihre alte Kirche wieder von Grund auf in Ordnung zu bringen. Die Kirche war in einem schlechten Zustand und allen war klar: Wenn jetzt nicht bald etwas geschieht, dann ist die Kapelle nicht mehr zu retten. Das Fachwerk war - wie damals üblich —verputzt, und der Putz löste sich in grossen Flächen vom Untergrund, das Schieferdach war dringend reparaturbedürftig und auch die Holzkonstruktion war zu überprüfen. Außerdem stand auch im Innenraum nicht alles zum Besten, besonders was den Boden und das Gestühl betraf. Aber unter der umsichtigen und tatkräftigen Führung von Bürgermeister Jakob Klingelhöfer und dem Lehrer und späteren Schulrat Erich Link konnte dieses für die kleine Gemeinde sehr umfangreiche Renovierungsprogramm, das man fast ein Rekonstruktionsprogramm nennen könnte, verwirklicht werden. Das Ergebnis der Renovierung ist in groben Zügen das Bild der Kirche, wie wir es heute kennen. Man entschied sich gegen das Verputzen des Gebäudes, sondern liess das reich verzierte Fachwerk sichtbar, lediglich die Westseite wurde zum Wetterschutz verschiefert. Viele Teile des Fachwerks und des Dachstuhles wurden erneuert, der ‚Dachreiter' wurde neu gezimmert. Turm und Dach wurden neu verschiefert, wobei die beiden Dachgauben in dem neuen Dach jedoch weggelassen wurden. Außerdem bekam der neue Turm auch eine neue Spitze, wobei, wie die Leute erzählen, in der Grundkugel der Spitze von Lehrer Link verschiedene Unterlagen betreffs der Kirchenrenovierung verschlossen wurden. Schliesslich erhielten auch die Fenster den Platz und das Format, das wir heute kennen.

Aber auch im Inneren des Gebäudes wurde nicht wenig verändert Auch hier wurde der Kapelle bei dieser Renovierung das Gesicht gegeben, das uns heute selbstverständlich ist Während früher eine offene Treppe direkt von der Tür auf die Empore führte, wurde nun eine geschlossene Treppe gebaut, die vom hinteren Kirchenraum her zu begehen war. Das Gestühl wurde in einem Block angeordnet und auf einem Dielenboden angebracht, während es vor der Renovierung zwei Gestühlgruppen gab, die durch einen Mittelgang getrennt waren und direkt auf dem Sandsteinboden standen. Zum Abschluss sei noch vermerkt, dass auch der Eingangsbereich erneuert wurde. Die vorher zweiteilige Tür wurde durch eine etwas schmalere einteilige Tür ersetzt, und die ursprünglich aus Sandstein gefertigte Außentreppe wurde durch Diabasstufen aus dem hiesigen Steinbruch ersetzt Diese unscheinbare Veränderung des Eingangsbereiches wird uns noch beschäftigen, wenn wir nach dem Alter der Rachelshäuser Kirche fragen.

Gemessen an dieser großen Renovierung waren die weiteren Renovierungen, von denen zu berichten ist, weniger umfangreich. Die zweite Renovierung im Jahre 1963, die unter der Leitung von Bürgermeister Heinrich Pfeiffer durchgeführt wurde, war in erster Linie auf Innenarbeiten konzentriert So wurden unter der Aufsicht des damaligen Landeskonservators Feldkeller die Balken des Innenraumes mit der farblichen Imitation von russischem Malachit versehen, womit man versuchte, dem Zustand nahezukommen, den die Balken vielleicht einmal in der Zeit des Barock hatten. Weiter wurden während dieser Renovierung auch ein neuer Altar und eine neue Kanzel passend zum farblichen Eindruck des Raumes angeschafft. Auch hier findet sich die das Holz gestaltende Malachitimitation. Auch das Kruzifix, das 1965 von der Künstlerin Elfriede Bedbur geschaffen wurde, kann dieser Renovierungsphase zugeordnet werden. Dieses Kruzifix wurde übrigens aus einem Eiche-Balken geschnitzt, der bereits als Schwellen-Balken des Hofes Klingelhöfer Verwendung gefunden hatte. Dieser stammt von einer Eiche, die 1857 im Rachelshäuser Forst geschlagen worden war. Schließlich soll nicht vergessen werden, dass mit der zweiten Renovierungsphase auch der technische Fortschritt seinen Einzug hielt. Eine Bankheizung, verbunden mit einem teilweise neuen Gestühl, wurde eingebaut, und für die Glocke wurde ein elektrisches Läutewerk installiert.

Die dritte Renovierungsphase erfolgte in zwei Abschnitten in den Jahren 1978 und 1981/82. 1978 wurde vor allem das Äußere der Kirche liebevoll und fachmännisch hergerichtet. Der Putz wurde—wo nötig —ausgebessert und der Dachstuhl durch einen zusätzlichen Querbalken stabilisiert. 1981/ 82 wurde dann das Innere der Kirche neu gestrichen, wobei die ehemals unsichtbar gemachten, Decke und Empore tragenden Balken wieder optisch hervorgehoben wurden.

Wie alt ist die Kirche?

Befragt man die Literatur nach dem Alter der Rachelshäuser Kirche, so wird gewöhnlich das Jahr 1680 als Entstehungsjahr genannte.⁸ Allerdings stellt sich schnell.heraus, dass es sich hierbei um eine Datierungsvermutung handelt, die sich auf baugeschichtliche Vergleiche mit anderen Kirchen gründet. Urkundlich ist dieses Entstehungsdatum hingegen nicht gesichert. Das wichtigste baugeschichtliche Argument ist bei dieser Datierung der Hinweis auf die reiche Verzierung des zweiten Fachwerkgeschosses, das eine vorbarocke Datierung auszuschließen scheint Demgegenüber erinnern sich Rachelshäuser Bürger jedoch genau daran, dass bei der ersten Renovierung Anfang der vierziger Jahre der Eichensturz über der Eingangstür die eingeschnitzte Jahreszahl 1617 trug. Dieser Sturz wurde bei der Renovierung ausgewechselt, da eine kleinere, einteilige Tür eingebaut werden sollte (vgl. oben). Leider ist dieser alte Türsturz während der Renovierungsarbeiten verlorengegangen.

Wie alt ist also nun die Rachelshäuser Kirche? Stammt sie aus dem Jahre 1680, wofür das Barockfachwerk sprechen würde, oder stammt sie aus dem Jahre 1617, wofür der ursprüngliche Türsturz über dem Eingang der Kapelle sprechen würde?

Zu dem Zeitraum, der hierzu Debatte steht, kam es nicht selten vor, dass ganze Fachwerkhäuser an einem Ort abgeschlagen und an einem anderen Ort wiederaufgebaut wurden. Ebenso war es durchaus nicht außergewöhnlich, dass einem fertigen Fachwerkhaus weitere Teile zugefügt wurden oder gar ein ganzes Geschoss aufgestockt wurde. Eine auf den ersten Blick abenteuerliche Vermutung könnte — wenn wir die oben geschilderte Praxis bedenken — dann unsere beiden Datierungen der Kirche zusammenbringen: Könnte diese Praxis nicht auch bei der Rachelshäuser Kirche wirksam gewesen sein? Die Rachelshäuser Kirche wäre dann ursprünglich ein schlichter eingeschossiger Fachwerkbau gewesen. Sie wäre auf das Jahr 1617 zu datieren, also das Jahr, das in dem verlorenen Türsturz verzeichnet war. Erst lange Zeit später, vielleicht um das Jahr 1680 wäre dann dem bisher eingeschossigen Bau ein zweites Geschoss aufgesetzt worden, so dass die Kirche die heute bekannte Form bekam. Erst dieses zweite Geschoss wäre dann in Technik und Kunstfertigkeit des barocken Fachwerkbaues ausgeführt worden. Für diese Überlegung, die hier nochmals ausdrücklich als Vermutung gekennzeichnet werden soll, sprechen vor allem zwei Gründe:

1. Die Proportionen des Gebäudes scheinen bei der rekonstruierten Eingeschossigkeit besser zu stimmen als bei der Zweigeschossigkeit, die der Bau heute besitzt. Heute wirkt die Kirche, bezogen auf die kleine Grundfläche, überproportional hoch.

2. Das reich verzierte Barockfachwerk findet sich ausschließlich im Bereich des zweiten Geschosses. Nur zwei Anklänge an diese Verzierungstechnik finden sich im Giebel in den zwei geschwungenen, diagonal in den jeweiligen Außengefachen verlaufenden Auszierungen. Da diese jedoch keine statische Funktion erfüllen, könnten sie ohne weiteres bei der Vergrößerung der Kirche hinzugefügt worden sein. Wie dem auch sei, ob die Kirche „schon" von 1617 oder „erst" von 1680 ist, davon wird es nicht abhängen, ob wir auf unser Kirchlein stolz sind — das sind wir ohnehin.

Man kann nur wünschen, dass sich auch weiterhin Männer und Frauen der Gemeinde finden werden, die sich für sie einsetzen, für sie sorgen und sie pflegen - und die auch darauf bestehen, dass die Kirche nicht nur zum Museumsstück und zur Touristenattraktion wird. Man kann nur wünschen, dass es auch weiterhin Männer und Frauen in unserem Ort gibt, die dafür sorgen, dass diese Kirche auch dafür benutzt wird, wozu sie einst unsere Vorfahren gebaut haben: Nämlich für das Gebet, den Gesang, die Feier der Sakramente, die Predigt und das Lob Gottes — kurz für den Gottesdienst. So kann man nur hoffen, dass auch noch unsere Kinder und Enkel von Fremden den Satz hören: „Ach, sie kommen aus Rachelshausen, ist das nicht das Dorf mit der wunderschönen Fachwerkkirche?"⁹

Verfasst von Dr. Eberhard Stock

1 Förderkreis Alte Kirchen e.V. (Hg.): „Fachwerkkirchen In Hessen", Königstein 1976, S. 22.
2 ebda.
3 Huth, K.: Gladenbach, eine Stadt im Wandel der Jahrhunderte", Gladenbach 1974, S, 68.
4 Dehio, G.: Handbuch deutscher Kunstdenkmäler", Hessen, neubearbeitet von Magnus Backes.
5 Huth, K., S. 25.
6 ebda.
7 Das Salbuch des Diakonats Gladenbach von 1737, S. 26 ff.
8 So z.B. Förderkreis ... und Dehio ..
9 Ich danke Herrn Robert Müller für viele Hinweise zur Geschichte der Kirchenrenovierung.

Die jüngste Renovierung seit 1991

Ein Fachwerkbau und besonders eine Fachwerkkirche, die ja nicht jeden Tag gleichmäßig genutzt wird und somit besonders im Winter erheblichen Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen ausgesetzt ist, braucht häufige Pflege. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass auch in unseren Tagen wieder eine Renovierung notwendig wurde, und zwar eine, die sich nicht auf Schönheitsreparaturen beschränken konnte, denn der Zahn der Zeit hatte doch recht heftig an der hübschen Kirche genagt.

Diese letzte und wohl auch umfangreichste Renovierung gliederte sich denn auch in zwei Bauabschnitte. Der erste fand im Jahre 1991 statt und galt dem Dach. Das gesamte Dach wurde neu gedeckt und die teilweise schadhafte Unterbretterung der
Schindeln erneuert. Die Arbeiten wurden von der Fa. Simon aus Herzhausen in kompetenter Manier ausgeführt, so dass dem Wasser von oben und von der Wetterseite zunächst Einhalt geboten wurde. Bei dieser Gelegenheit wurde auch die Messingkugel von der Spitze des Dachreiters abgenommen und geöffnet. Dabei kamen zwei Dokumente über die Renovierung von 1939/40 zum Vorschein, unterzeichnet vom damaligen Rachelshäuser Bürgermeister Klingelhöfer (die Kirche war damals noch im Besitz der Zivilgemeinde) und von Pfr. Lott, dem Inhaber der II. Pfarrei in Gladenbach (zu welcher Rachelshausen bis 1961 gehörte). Diese Dokumente wurden wieder in der "Turmkugel" verschlossen und um ein weiteres vermehrt, das die neue Maßnahme dokumentiert, unterschrieben vom Verfasser und den damaligen Rachelshäuser Kirchenvorstehern Marie Kraus und Reinhold Jung.

Des weiteren wurde der Ursprung der Rachelshäuser Glocke von Robert Müller aufgeklärt. Sie wurde im Jahre 1805 von der Glockengießerfamilie Bernhardt aus Tiefenbach bei Leun wohl an Ort und Stelle gegossen und in die Kirche aufgehängt. Dort tut sie nun seit über 180 Jahren ihren Dienst und hat alle Stürme und kriegsbedingten Wirren und Einschmelzaktionen überstanden.

Es war aber sofort deutlich, dass es nicht bei der Dacherneuerung bleiben konnte, da das Fachwerk doch sehr starke Schäden aufwies. So wurde die Bausubstanz vom Architekturbüro Düringer & Partner aus Dillenburg, das auch die Bauleitung übernahm, untersucht und dokumentiert. In Eigenleistung der Gemeinde wurden dann die Schäden freigelegt, so dass die notwendigen, sehr komplizierten Zimmermannsarbeiten anschließend von Fa. Klingelhöfer aus Dernbach ausgeführt werden konnten. Dabei waren viele Schwierigkeiten zu überwinden: es musste altes, nur schwer beschaffbares Eichenholz verwendet werden, die Kirche musste an der Stirnwand abgestützt werden, um nicht hoffnungslos in Schieflage zu geraten und fast jeder Arbeitsschritt förderte neue Schäden zutage. So musste denn auch infolge Schädlingsbefalls die Auflage des tragenden Mittelpfeilers erneuert und an der Stirnseite auf der Empore ein Kopfband eingesetzt werden, um die Stabilität zu erhalten. Viele kleinere Stellen mussten ausgebessert und ganze Balkenzüge völlig ausgetauscht werden.

Zum weiteren war der alte Sandsteinfußboden im Altarbereich stark angegriffen und nach unten nicht isoliert, so dass er mit Genehmigung des Landesamts für Denkmalschutz entfernt wurde. Er wurde durch die von der Fa. Müller, Jung und Pfeiffer gestifteten letzten in Rachelshausen gebrochenen Diabassteine ersetzt und mit einer Fußbodenheizung und einem haltbaren Estrich versehen. Diese Arbeiten sowie das Ausmauern der Gefache besorgte Herr Dworschak aus Bellnhausen. Die Bemalung im Innenraum, besonders die Marmorierung der Pfeiler und des Mittelträgers ließ sich leider nicht vollständig retten. So wurde in Abstimmung mit dem Denkmalschutz eine möglichst nahe Farbgebung von der Fa. Kaut aus Runzhausen ausgeführt, die auch die Kirche von außen wieder im gewohnten Glanz erstrahlen ließ. Die gesamte elektrische Anlage wurde von Fa. Heck aus Sinkershausen erneuert. Die Glasfenster wurden von Herrn E.J. Klonk instandgesetzt und verstärkt. Für alle notwendigen Schreinerarbeiten, auch an Kanzel und Altar, zeichnet die Fa. Klotz aus Runzhausen verantwortlich. Vieles an Aufräumungs-, Reinigungs- und sonstigen vorbereitenden Arbeiten wurde von freiwilligen Helfern und Helferinnen aus der Gemeinde erledigt, was die immensen Kosten spürbar senken half.

Das gilt insbesondere für die neue elektronische Orgel, die beschafft wurde. Sie konnte dank der großen Spendenbereitschaft der Bevölkerung zu ca. 85% aus eben diesen Spenden bezahlt werden. An allen diesen Stellen hat auch der Kirchenvorstand, insbesondere die Rachelshäuser Kirchenvorsteher Ulrike Stock und Bernd Müller, ein hohes und bewundernswertes Maß an persönlichem Einsatz gezeigt.
So weihen wir nun nach langer Bauzeit unsere Kirche wieder ein und ich darf im Namen der Gemeinde allen herzlich danken, die durch ihr Engagement, ihre Fachkenntnis und Arbeitskraft und ihre Opferbereitschaft das Werk möglich gemacht haben, das heißt, allen beteiligten Firmen, dem Landesamt für Denkmalschutz in Person von Herrn Dr. Neumann, der Bauabteilung unserer Kirche für die großzügige Hilfe und natürlich allen Helfern/innen und Spendern/innen.

Dass es schön geworden ist, sehen wir. Dass es seinen Zweck auch weiter erfüllt, nämlich Gottes Haus und nicht nur ein schönes Baudenkmal zu sein, wir die Zukunft weisen.
 

Verfasst von Pfr. Olaf Schmidt